Kitsch-Geschicchte


Liebe ist … gemeinsam Fahrrad zu fahren.                                Marie Hummer

Melanie blätterte lustlos die Mädchenzeitschrift durch. Sie interessierten die blöden „Beauty-Tipps“ und Anmachsprüche nicht mehr. Sie hatte sie alle schon einmal ausprobiert und sie hatten ja doch nichts genützt. Nie hatte ein Bursch etwas Nettes zu ihr gesagt, nie wollte einer mit ihr ins Kino gehen. Mel saß mit ihren besten Freundinnen in einem kleinen Cafe und las eine Zeitschrift nach der anderen. Alles war besser als den Mädchen bei ihren atemberaubenden Erzählungen über ihre festen Freunde und Dates zu zuhören.

 Am nächsten Tag ging es genauso weiter, die Erzählungen nahmen kein Ende. Zu allem Überfluss war das Thema der Woche „Liebe und Freundschaft“. Nach einer kleinen Einführung teilte Frau Liebkind verschiedene Comics und Bilder aus. Auf einem Bild stand: Liebe ist … miteinander lachen zu können. Das gefiel Mel am besten und das sagte sie auch, als die Klasse das tollste Bild wählen musste.

 Am nächsten Morgen, als Mel zu ihren Fach kam, klebte dort ein kleines Bild, auf dem stand: Liebe ist das Licht, das auch in dunklen Zeiten nie verlöscht. Mel schaute sich um, niemand war in der Nähe. War der Zettel für sie? Sie löste ihn vorsichtig ab. Tatsächlich: Auf der Rückseite stand „Melanie“, von einem großen Herz umrahmt. Mels Herz raste. War das etwa ein heimlicher Verehrer? Am nächsten Tag regnete es in Strömen - und was klebte an Mels Spind? Ein kleines Bild mit der Aufschrift: Liebe ist, wenn auch an grauen Tagen alles himmelblau erscheint. Wie süß! Am Freitag war ein kleiner Zettel, auf dem: Liebe ist, wenn man Schmetterlinge im Bauch hat! Stand, an ihrer Turntasche befestigt. Dabei lag ein kleiner bunter Schmetterling und auf einem Flügel stand „Melanie“ in schön geschwungener Schrift. Melanie war begeistert. Wer auch immer dieser heimliche Verehrer war, er war unheimlich romantisch. So ging das die nächsten Tage weiter. Fast jeden Tag eine nette Botschaft. Von diesen wollte Melanie ihren Freundinnen jedoch nicht erzählen. Es war ihr eigenes kleines Geheimnis, sie würden sich ja doch nur lustig machen.

An einem sonnigen Tag kam Melanie gut gelaunt aus der Schule und sah, dass ein kleiner Zettel auf ihrer Haustür klebte. Liebe ist … gemeinsam Fahrrad zu fahren, stand auf ihm, und der Name Finn. Finn?! Finn! Der tollste Junge aus Melanies Klasse. Sie schaute sich im Hof um. Und tatsächlich: Auf der Wiese neben der großen Eiche saß Finn auf einem silbernen Fahrrad und strahlte sie an. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals und ehe sie einen klaren Gedanken fassen konnte, saß sie hinten auf Finns Fahrrad und umschlang mit beiden Armen Finns muskulösen Oberkörper. Sie schwebte auf Wolke sieben und vergaß sofort ihre Unsicherheit. Wo die beiden überhaupt hin fuhren? Finn hielt an einer kleinen Wiese, die direkt am Steg lag. Sie setzten sich auf den Steg, Hand in Hand. Und als die Sonne dann langsam hinter dem Horizont verschwand, der Himmel rosarot war und die Oberfläche des Sees zauberhaft glitzerte, streichelte Finn Melanie behutsam eine Strähne aus dem Gesicht, sie schmiegte sich an ihn und dann küssten sie sich zärtlicher als Melanie es sich je erträumt hatte.

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